Regeln für eine harmonische Beziehung

7 Regeln für eine harmonische Beziehung

Was braucht man denn für eine Beziehung, die harmonisch ist und am besten ewig hält? Als Paartherapeuten haben wir es oft nur mit dem zu tun, was nicht gut läuft in einer Beziehung. Aber natürlich haben wir auch eine klare Vorstellung davon, wie eine Partnerschaft gestaltet sein sollte, damit sie wirklich auf soliden Füßen steht.

Nr. 1 Destruktive Kommunikation vermeiden

Kommunikation ist das Rückgrat jeder Beziehung. Destruktive Kommunikationsmuster wie Schuldzuweisungen, Sarkasmus, Beleidigungen, Drohungen, verbale Angriffe oder Demütigungen können jedoch erheblichen Schaden anrichten. Stattdessen sollten Partner darauf achten, ihre Bedürfnisse und Gefühle respektvoll auszudrücken und ernsthaftes Interesse an den Bedürfnissen und Gefühlen des anderen zeigen. Nur auf dieser gesichtswahrenden Basis ist man ein angenehmes Ziel für das Bindungsbedürfnis des anderen.

Nr. 2 Guter Umgang mit Konflikten

Und ein guter Umgang mit Konflikten bedeutet sicher nicht, diese möglichst zu vermeiden. Konflikte sind Alltag: Ich will etwas anderes als mein Partner. Nicht mehr und nicht weniger. Relevant ist aber, was die Partner daraus machen. In der Praxis sehen wir oft das Muster: beide fühlen sich angegriffen oder verletzt und schon geht der Streit los, alternativ der passiv-aggressive Angriff oder der distanzierende Rückzug. Genau das sollte nicht passieren. Im Grunde braucht es alle weiteren Punkte in dieser Liste, damit es nicht zu einer Eskalation kommt. Deswegen nehmen wir hier noch nicht alles vorweg. Wir werden aber auch nochmal einen ausführlichen Artikel über Konflikte und eskalierende Streits schreiben und ihn hier verlinken, sobald er im Kasten ist.

Nr. 3 Selbstaufmerksamkeit

Eine harmonische Beziehung beginnt mit der Fähigkeit, sich selbst gut wahrzunehmen. Indem jeder Partner sich seiner eigenen Bedürfnisse, Verhaltensimpulse, Gedanken, und Emotionen bewusst ist und diese dem Partner mitteilen kann, ist der Boden geschaffen für gute Emotionsregulation, emotionale Nähe, sich gesehen fühlen. Und nur auf dieser Basis ist dann eine sichere Bindung miteinander möglich

Nr. 4 der Regeln für eine harmonische Beziehung: Emotionsregulation

Emotionen bilden das Herzstück jeder menschlichen Interaktion, besonders in romantischen Beziehungen. Die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, zu verstehen und effektiv zu regulieren, ist von entscheidender Bedeutung für eine glückliche Beziehung. Hierbei geht es nicht darum, Emotionen zu unterdrücken, sondern darum, sie bewusst zu erleben und konstruktiv mit ihnen umzugehen.

Emotionsregulation bedeutet, dass beide Partner ihre eigenen Emotionen identifizieren und akzeptieren können, bevor sie in den Austausch treten. Es erfordert die Fähigkeit, zwischen Emotionen und Handlungen zu unterscheiden, um impulsive Reaktionen zu vermeiden. Wenn beispielsweise einer der Partner frustriert ist, ist es wichtig zu verstehen, dass diese Frustration nicht zwangsläufig auf den anderen gerichtet ist.

In einer Beziehung ermöglicht eine wirksame Emotionsregulation den Partnern, in schwierigen Momenten einen klaren Kopf zu bewahren. Dies trägt dazu bei, dass Konflikte nicht eskalieren und die Kommunikation auf einem respektvollen Niveau bleibt. Paare, die gemeinsam lernen, ihre Emotionen zu regulieren, können Konflikte als Chancen für Wachstum betrachten und an einer konstruktiven Lösung arbeiten.

Darüber hinaus führt eine gute Emotionsregulation zu einem tieferen Verständnis für die Bedürfnisse des anderen. Wenn Partner in der Lage sind, ihre eigenen Emotionen zu kommunizieren und gleichzeitig offen für die Emotionen des anderen sind, entsteht eine Atmosphäre des Mitgefühls und der Unterstützung.

Nr. 5 Perspektivenübernahme

Perspektivenübernahme bedeutet nicht nur, die Sicht des Partners zu hören, sondern sie wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, also die Bereitschaft, die Welt aus den Augen des anderen zu betrachten.

Eine Voraussetzung ist zu akzeptieren, dass die Gedankenwelt des Partners und die Relevanz, die er den Dingen zuweist, sich von der eigenen deutlich unterscheiden kann. Und dazu kommt noch, dass wir gerade in Situationen, in denen wir emotional stark aktiviert sind, keine Kapazität mehr haben, uns in eine andere Person hineinzuversetzen. Das ist völlig normal. Aber es bedeutet, dass wir uns erst einmal beruhigen müssen (Emotionsregulation), damit die Perspektivenübernahme überhaupt eine Chance hat. 

Aber wenn es zwei Partner schaffen, dem jeweils anderen zu zeigen, dass man seine Sicht nachvollziehen kann, stellt sich das unfassbar gute Gefühl von “sich gesehen fühlen” ein. Bei den meisten Menschen löst das wiederum aus, dass man sich zu der Person hingezogen fühlt und Bindung entstehen kann. 

Nr. 6 Emotionale Nähe

Damit ist gemeint, dass wir unserem Partner auch Dinge sagen können, die nicht seinen Interessen entsprechen, die ihn also frustrieren. Bestenfalls bleibt der Partner aber trotzdem zugewandt. Und stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, wenn sich zwei Menschen alles sagen können, der andere aber jeweils zugewandt bleibt. Das löst genau wie das “sich gesehen fühlen” aus, dass wir uns auf Dauer stark zu dem anderen hingezogen fühlen, weil es sich einfach so gut anfühlt.

Nr. 7 Bindung und Autonomie

Zu Bindung kommt es genau wie oben beschrieben: Ein Paar schafft es, dass sich der jeweils andere gesehen fühlt und sie haben einen hohen Grad an emotionaler Nähe. Wenn man das über einen längeren Zeitpunkt macht, stellt sich der Zustand von sicherer Bindung ein. Das ist natürlich etwas vereinfacht, aber bringt es trotzdem gut auf den Punkt.  

Es gibt aber auch noch einen Gegenspieler von Bindung: Autonomie oder auch unsere Selbstbehauptung. Meine Interessen und Bedürfnisse sind nicht die gleichen meines Partners, aber meine Bedürfnisse sollten mir wichtig sein und auch wenn ich in einer Beziehung bin, darf ich diese nicht der Harmonie willen unter den Tisch kehren. In unserer Praxis sprechen wir allerdings von “gesunder Selbstbehauptung”. Das bedeutet, dass wir zwar unsere Autonomieimpulse gut wahrnehmen, aber auch die Interessen des Partners berücksichtigen.

Eine glückliche Beziehung vereint die Bedürfnisse nach Bindung und Autonomie. Jeder Partner sollte Raum für persönliches Wachstum haben, ohne dabei die Verbindung zum anderen zu vernachlässigen. Es ist wichtig, sowohl die gemeinsamen als auch individuellen Ziele zu respektieren und zu unterstützen.

In einer glücklichen Beziehung spielt die Bindung eine Schlüsselrolle. Die emotionale Verbundenheit gibt Sicherheit und schafft ein Fundament für Vertrauen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass beide Partner ihre individuelle Autonomie bewahren und persönliche Ziele verfolgen können.

Insgesamt zeigen diese 7 Regeln für eine harmonische Beziehung, dass eine gute Beziehungsqualität nicht nur von äußeren Umständen abhängt, sondern vor allem von den individuellen und gemeinsamen Bemühungen der Partner.

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